Fast alle Enttäuschungen mit der Nachtsicht gehen auf dieselbe Verwechslung zurück: Die angegebene IR-Reichweite sagt, wie weit überhaupt noch etwas Licht hinkommt - nicht, bis wohin das Bild brauchbar ist. Das sind zwei sehr verschiedene Entfernungen.

Infrarot fällt mit dem Quadrat der Entfernung ab

Die IR-Ausleuchtung folgt dem Abstandsquadratgesetz: Bei doppelter Entfernung kommt nur noch ein Viertel des Lichts am Objekt an. Eine Kamera mit "30 m IR-Reichweite" erkennt auf 30 Metern vielleicht eine Bewegung, aber genug Licht für ein wiedererkennbares Gesicht liefert sie meist nur im ersten Drittel dieser Strecke.

Dazu kommt: Infrarot erzeugt immer ein Schwarzweißbild. Die Farbe der Jacke, des Fahrzeugs oder des Helms geht verloren - oft genau das Merkmal, das später weiterhelfen würde.

850 nm oder 940 nm

  • 850 nm - größere Reichweite und besseres Bild, aber die LEDs erzeugen ein schwaches rotes Glimmen. Die Kameraposition ist damit nachts sichtbar.
  • 940 nm - für das menschliche Auge unsichtbar, verliert dafür rund ein Drittel der effektiven Reichweite.

Bei langen Perimetern gewinnt fast immer 850 nm, bei diskreten Innen- und Eingangsbereichen 940 nm.

Drei Gegner des Infrarotlichts an der Fassade

  1. Reflexion an nahen Flächen - sitzt die Kamera unter einem Dachüberstand, neben einer Regenrinne oder dicht an einer hellen Wand, wirft diese Fläche das IR-Licht direkt ins Objektiv zurück. Das Ergebnis ist ein weißer Fleck, der das halbe Bild blendet. Abhilfe schaffen ein größerer Abstand zur Fläche oder separate IR-Strahler.
  2. Regen, Nebel und Schnee - jeder Tropfen wirft einen Lichtpunkt zurück. In starken Regennächten kann eine Kamera mit frontalem IR praktisch unbrauchbar werden, während dieselbe Szene unter weißem Umgebungslicht noch lesbar bleibt.
  3. Insekten und Spinnweben - IR zieht Insekten an, Insekten ziehen Spinnen an. Ein Netz vor dem Objektiv löst die ganze Nacht Bewegungsalarme aus und ist die häufigste Ursache für Fehlalarme im Außenbereich.
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Wenn Sie mehrere Nächte hintereinander um drei Uhr Benachrichtigungen bekommen und auf den Aufnahmen niemand zu sehen ist: prüfen Sie zuerst das Objektiv, nicht die Erkennungseinstellungen. Fast immer ist es ein Spinnennetz.

Belichtungszeit: das übersehene Detail

Bei wenig Licht gleicht die Kamera durch eine längere Belichtungszeit aus. Eine statische Szene sieht dann gut aus, eine gehende Person wird unscharf, und ein Fahrzeug mit 30 km/h ist ein Streifen, aus dem sich kein Kennzeichen mehr lesen lässt - unabhängig von der Auflösung.

Bewegung bei Nacht scharf abzubilden erfordert kurze Belichtungszeiten und damit Licht. Einen Umweg gibt es nicht. Deshalb werden Kennzeichen mit speziellen Kameras erfasst, die eine lange Brennweite, eine fest kurze Belichtungszeit und einen eigenen Strahler mitbringen - nicht mit der Übersichtskamera an der Einfahrt.

Farbe rund um die Uhr

Kameras mit Schwachlichttechnik verzichten auf Infrarot und setzen stattdessen auf große Sensoren, sehr lichtstarke Objektive von f/1.0 bis f/1.6 und teilweise auf einen weißen Zusatzstrahler. In Umgebungen mit etwas Restlicht - Straßenlaterne, beleuchteter Hof, Tiefgarage mit Notbeleuchtung - ist der Unterschied deutlich, und die Farbinformation bleibt erhalten.

In völliger Dunkelheit ohne Möglichkeit, Licht zu ergänzen, bleiben IR-Kameras überlegen. Viele aktuelle Geräte kombinieren beide Betriebsarten und schalten automatisch um, was bei wechselnden Bedingungen meist die sicherste Wahl ist.

Die günstigste Verbesserung ist Licht

Bevor Sie die Kamera tauschen, lohnt ein Blick auf die Beleuchtung. Ein LED-Strahler mit 20 Watt und Bewegungsmelder über dem Eingang verbessert das Nachtbild stärker als der Sprung von 4 auf 8 Megapixel, kostet einen Bruchteil und wirkt zusätzlich abschreckend.

Zwei Punkte bei der Montage: Das Licht darf nicht direkt ins Objektiv fallen, und es sollte den Laufweg ausleuchten statt des Hintergrunds - sonst steht jede Person im Gegenlicht und bleibt eine schwarze Silhouette.